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GOETHE-ZERTIFIKAT A1 - Start Deutsch 1 - Modellsatz > Durchführungsbestimmungen

Ergänzungen zu den Durchführungsbestimmungen:
Prüfungsteilnehmende mit spezifischem Bedarf

Durchführungsmodalitäten
Stand: April 2013

Diese Ergänzungen zu den Durchführungsbestimmungen: Prüfungsteilnehmende mit spezifischem Bedarf sind Bestandteil der Prüfungsordnung und ergänzen die Durchführungsbestimmungen der einzelnen Prüfungen.

Spezifischer Bedarf ergibt sich bei:

  • sehbehinderten oder blinden Prüfungsteilnehmenden;
  • hörbehinderten oder gehörlosen Prüfungsteilnehmenden;
  • Prüfungsteilnehmenden mit Lese- und / oder Rechtschreibschwäche (Legasthenie oder Dyslexie);
  • Prüfungsteilnehmenden mit Sprachbehinderung (z. B. Stottern);
  • Prüfungsteilnehmenden mit temporären Einschränkungen (z. B. gebrochener Schreibarm).

Seitens des Prüfungszentrums ist darauf zu achten, dass im gegebenen Fall bereits bei der Anmeldung über die Ergänzungen zu den Durchführungsbestimmungen: Prüfungsteilnehmende mit spezifischem Bedarf (Personen mit Körperbehinderung) informiert und in einem Beratungs­gespräch gemeinsam mit dem oder der Prüfungsinteressierten individuelle Lösungsmöglichkeiten zur Prüfungsdurchführung gefunden werden.
Prüfungsteilnehmende, die aufgrund ihres spezifischen Bedarfs Prüfungsleistungen nicht unter den geltenden Bedingungen erbringen können, erhalten einen Nachteilsausgleich, der folgende drei Kriterien erfüllen muss und mögliche Maßnahmen zur Prüfungsdurchführung beinhaltet:

  1. Bewertung der Leistung
  2. Gleichwertigkeit der Prüfung
  3. Ausschluss der Vorteilnahme

1. Bewertung der Leistung

Um die Leistung von Prüfungsteilnehmenden mit spezifischem Bedarf bewerten zu können, muss die Prüfung in ihrer Durchführung modifiziert werden, so z. B. durch Verlängerung der Prüfungszeit, durch zusätzliche Pausen, Abspielen des Tonträgers mit Zwischenpausen. Ebenso können die Prüfungsmaterialien in veränderter Form angeboten werden, z. B. in Braille, über Computer, durch Hinzuziehen einer Hilfsperson (z. B. Schriftführer, Gebärdendolmetscher).

2. Gleichwertigkeit der Prüfung

Bei Abweichungen in der Prüfungsdurchführung bzw. in der Präsentation der Materialien ist darauf zu achten, dass die Gleichwertigkeit der Prüfung gewahrt bleibt. Daher dürfen Abweichungen nicht den Inhalt der Prüfung betreffen. Eine Änderung des Inhalts, wie z. B. für blinde Prüfungsteilnehmende das Ersetzen einer Grafik durch einen Text, muss sich auf das absolut Notwendige beschränken. Beispiel für eine unzulässige Änderung des Inhalts wäre das Sprechen eines schriftlichen Ausdrucks auf Band. Modifikationen bei der Prüfungsdurchführung und bei der Präsentation der Materialien (z. B. verlängerte Arbeitszeit, Braille, Hinzuziehen einer Hilfsperson) werden nicht im Zeugnis vermerkt.

Kommt wegen des spezifischen Bedarfs ein kompletter Prüfungsteil nicht in Betracht, dann errechnet sich das Gesamtergebnis aus den Punktzahlen der abgelegten Fertigkeitsbereiche: die erreichten Punkte werden in Relation gesetzt zu der entsprechend reduzierten Gesamtpunktzahl und dann einem Prädikat zugeordnet. Der Wegfall eines Prüfungsteils wird im Zeugnis wie folgt vermerkt:

“*Frau oder Herr X hat für diesen Prüfungsteil Sonderbedingungen in Anspruch genommen.” Der nicht abgelegte Prüfungsteil wird mit * gekennzeichnet.

3. Ausschluss der Vorteilnahme

Jede Abweichung von der Standardprüfung muss gerechtfertigt sowie der Art und dem Grad des spezifischen Bedarfs angemessen sein. Deshalb müssen Prüfungsteilnehmende dem Prüfungszentrum ihren spezifischen Bedarf bei der Anmeldung mitteilen und durch ein ärztliches Attest oder einen gleichwertigen Nachweis belegen. Das Prüfungszentrum ist zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Ein spezifischer Bedarf, der dem Prüfungszentrum erst während oder nach der Prüfung bekannt wird, kann bei der Durchführung und Bewertung keine Berücksichtigung finden. Die Prüfungskommission entscheidet im Einzelfall über die Abweichungen von der Standardprüfung, legt diese schriftlich fest und teilt sie dem oder der Prüfungsteilnehmenden mit. Sofern kein Einspruch erhoben wird, gilt diese Entscheidung als Vereinbarung mit dem oder der Prüfungsteilnehmenden mit spezifischem Bedarf und ist verbindlich. Sie kann während der Prüfung nicht mehr abgeändert werden.

Jede Vereinbarung ist eine auf den individuellen spezifischen Bedarf abgestimmte Einzelfallentscheidung und nicht auf andere Fälle oder Situationen übertragbar. Die Vereinbarung wird 10 Jahre mit den Prüfungsunterlagen archiviert.

Mögliche Maßnahmen zur Prüfungsdurchführung

Je nach Art und Grad des spezifischen Bedarfs werden die erforderlichen Maßnahmen zur Durchführung der Prüfung individuell festgelegt. Abweichungen sind möglich für

  1. Sehbehinderte und Blinde:
    1. Prüfungssatz in Blindenschrift (Braille Normalversion);
    2. Prüfungssatz am PC für Screenreader;
    3. Vergrößerte Materialien;
    4. Verlängerte Prüfungszeit (um 25% bis 100%, nach individuellem Bedarf);
    5. Abspielen des Tonträgers mit Zwischenpausen zur Bearbeitung der Fragen und zum Diktieren, Schreiben bzw. Tippen der Lösungen (Hören).
  2. Hörbehinderte und Gehörlose:
    1. Prüfungsteil Hören
      1. als Gebärdensprachvideo;
      2. als Lippenlese-Video
      3. mit Kopfhörer
    2. Gegebenenfalls ein von dem oder der Prüfungsteilnehmenden beauftragter Gebärdendolmetscher;
    3. Wiedergabe in höherer Lautstärke;
  3. Teilnehmende mit Lese- und / oder Rechtschreibschwäche:
    1. verlängerte Prüfungszeit (um 25% bis 100%, entsprechend der Angabe im ärztlichen Attest).
  4. Schreibbehinderte:
    1. verlängerte Prüfungszeit (um 25% bis 100%, entsprechend der Angabe im ärztlichen Attest);
    2. Verwendung eines Laptops oder PC ohne integrierte Hilfsmittel (gegebenenfalls im Eigentum des Prüfungszentrums; § 12 der Prüfungsordnung findet entsprechend Anwendung);
    3. Schriftführende oder prüfende oder lehrende Person schreibt, was diktiert wird, sichert durch Rückfragen die Schreibweise und legt nach Abschluss dem oder der Prüfungsteilnehmenden den Text vor.
  5. Bei der Bewertung der mündlichen Leistung von sprachbehinderten Prüfungsteilnehmenden ist der Grad der Beeinträchtigung angemessen zu berücksichtigen.
  6. Die Durchführung der Prüfung bei Mehrfachbehinderung ist durch eine Kombination von Maßnahmen möglich.

Das Prüfungszentrum prüft vor Ort die jeweilige Sachlage und sorgt im Einzelfall für die Realisierbarkeit der individuellen Maßnahmen zur Prüfungsdurchführung (zusätzliche prüfende Person, separate Aufsicht, zusätzlicher Raum, technische Ausstattung oder Ähnliches).
Hierbei anfallende Kosten (mit Ausnahme des Gebärdendolmetschers) übernimmt das Prüfungszentrum.

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